Ärzte blicken nach Südniedersachsen
"Es werden keine Mauern gezogen"
Von Michael Paetzold
KREIS OSTERODE. "Wir Ärzte wünschen uns eine sachliche, von persönlichen Ressentiments losgelöste Diskussion um die Landkreisfusion", nahm gestern, 7. Juni, der Ärztevereinsvorsitzende und Kreisstellensprecher Dr. Manfred Eilts Stellung zu dem in Osterode derzeit alles andere überlagernden Thema.
Bewährtes erhalten und Zukunft schaffen scheint nur durch einen wirtschaftlich, politisch und kulturell starken Großkreis möglich, der sich auch als solcher auf Landesebene präsentieren kann", gab er seine Einschätzung und betonte die engen Verflechtungen Osterodes mit Göttingen und Northeim.
Durch die beabsichtigten Fusionen seien zwar keine Belange der Ärztekammer oder der Kassenärztlichen Vereinigung und damit des Ärztevereins und der Kreisstelle betroffen, da die Strukturen der ärztepolitischen Organisationen nicht mit denen der Gebietskörperschaften identisch oder von ihnen abhängig wären, doch werde man im ärztlichen Bereich eine personelle Unterversorgung und Besetzungsprobleme besser durch eine Kooperation mit den großen Kliniken im Landkreis Göttingen in den Griff bekommen. Göttingen bietet mit der Uniklinik einen Maximalversorger, mit der Gesundheitsregion Göttingen, der Verbundweiterbildung und der Bereitschafts- und Notdienstversorgung verwirkliche man im Landkreis Osterode zusammen mit einigen medizinischen Einrichtungen im Landkreis Göttingen Kooperationen, die mancherorts noch als Dienstleistungskonzept der Zukunft gelten. Gleichwohl kooperierten Ärzte in der Niederlassung und der Klinik im Interesse ihrer Patienten mit Gesundheitsdienstleistungen über die Landkreisgrenzen hinaus, bewährte Versorgungswege würden auch über neue Kreisgrenzen hinaus aufrecht erhalten. Eilts: "Zu Partnern, die einem künftigen Großkreis nicht angehören, werden keine Mauern aufgezogen." Allerdings seien Verbundweiterbildungen mit Hausärzten und Ausbildungskliniken in Göttingen bereits ins Leben gerufen worden. "Kontakthalteprojekte für angehende Mediziner, die sich dann auch im ländlichen Raum niederlassen können, sind nur mit einer Universitätsklinik denkbar", erklärte der Mediziner und betonte erste Erfolge dieser Arbeit: "Wir haben jetzt schon die ersten Hausärzte und Fachärzte, die auf dem Lande arbeiten und in Göttingen wohnen." Der medizinische Dienstleistungsbereich stellt nach dem metallverarbeitenden Gewerbe den zweitgrößten Arbeitgeber im Landkreis Osterode.
Das Thema Landkreisfusion bewegt auch die Ärzteschaft im Kreisgebiet. Dr. Manfred Eilts aus Osterode, langjähriger Ärztevereinsvorsitzender und Kreisstellensprecher, hatte deshalb eine interne Befragung der Kollegen gestartet.
"Selten habe ich eine so prompte und so deutliche Rückmeldung bekommen, wie diesmal", erklärte er gestern, 7. Juni. Von den angeschriebenen Kollegen hatten sich 63 sofort gemeldet und die Einschätzung des Ärztesprechers einhellig unterstützt: "Um eine wohnortnahe und patientenfreundliche medizinische Versorgung zukünftig zu gewährleisten, sind leistungsstarke Versorgungsstrukturen und Kooperationen zwar über die Landkreisgrenzen hinaus gefragt, medizinische Ströme und der Wissenstransfer laufen aber seit Jahrzehnten schon Richtung Göttingen, ein Austausch mit dem Raum Goslar besteht kaum", erklärte Eilts, der davon ausgeht, dass in einigen medizinischen Bereichen größere Einheiten mehr Kompetenz abbilden können: "Ich wünschte mir aber gleichzeitig, dass beispielsweise der öffentliche Gesundheitsdienst dem Altkreis Osterode erhalten bleibt."
Eine auskömmliche ärztliche Versorgung der Bevölkerung des Landkreises aber sollte grundsätzlich unabhängig von Organisation, Größe und politischem Kolorit sein, auch wenn man sich einen politisch starken Landkreis wünsche, der auch auf Landesebene wahrgenommen werde. mp |