Ruth Monicke kündigte überraschend das Ende an
„So lasse ich nicht mit mir umgehen“
 Sichtlich bewegt las Ruth Monicke den Besuchern des Bürgertreffs am Mittwoch ihre Erklärung zum Ende der Veranstaltungsreihe vor. Foto: Christian Dolle Von Christian Dolle
WALKENRIED. Vor zwei Jahren war der Bürgertreff „Nah dran“ von Ruth Monicke und Frank Uhlenhaut ins Leben gerufen worden und präsentierte seitdem zahlreiche Vorträge, Lesungen und vielem mehr. Am Mittwoch fand die vorerst letzte Veranstaltung statt.
Die Besucher des Bürgertreffs in der Bücherei ahnten nichts, als Leiterin Ruth Monicke zu Beginn der Veranstaltung eine Erklärung verlas. „Unter diesen Umständen wird die Veranstaltungsreihe nicht weiterbestehen“, hieß es darin.
Jene angesprochenen Umstände erläuterte Monicke, indem sie zunächst auf die vielen ehrenamtlichen Arbeiten vom Reinigen der Büchereiräume bis hin zum Abwaschen nach der Veranstaltung hinwies. All dies werde von einem Team engagierter Frauen erledigt und nur die Büchereileiterin sei mit monatlich 40.90 Euro als „geringfügig Beschäftigte“ entlohnt worden. Während der Samtgemeinderat nun zunächst die Bereitstellung von 1 500 Euro für die Bücherei beschlossen habe, wurden diese in einem weiteren Beschluss gedrittelt und auf die ebenfalls fortbestehenden Büchereien in Wieda und Zorge sowie eben Walkenried aufgeteilt. Die 500 Euro, die künftig zur Verfügung stünden, seien nur für Bücher gedacht, habe man ihr gesagt, die Entlohnung der Büchereileitung falle somit weg.
„Meine Damen und Herren, auch das würde ich schlucken, allerdings nicht nachdem ich weiß, dass Zuwendungen für Samtgemeinderatsmitglieder durchaus wohlwollend beschieden werden. Meine seit Wochen gestellte Anfrage an offizieller Stelle hat mir gezeigt, dass manche Beschlussfassung weder durchdacht, noch die Sachlage hinterfragt wird. Klarheit hat es bis heut nicht gebracht und so werde ich nicht zulassen, dass man eine Einrichtung, für die sich Frauen stark machen, so unwürdig abserviert. Denn unter diesen Umständen, wird sie nicht weiterbestehen“, führte Monicke aus. Es herrschte zunächst Schweigen, dann Empörung, einige Anwesende kündigten an, diese Angelegenheit nicht auf sich beruhen zu lassen. Monicke, selbst über 20 Jahre lang kommunalpolitisch tätig, habe viel Herzblut in den Bürgertreff investiert und musste jetzt feststellen, dass ihre Arbeit seitens der Ratsherren weder gewürdigt, noch wirklich wahrgenommen werde. „So lasse ich nicht mit mir umgehen“, sagt sie und ist sich sicher, dass man mit Männern anders umgehen würde. Sie habe den Eindruck, als herrsche immer noch die Auffassung, die Frauen hätten ja Zeit und würden sich nur aus Langeweile engagieren. Die Bedeutung solchen Engagements für das kulturelle Leben in der Samtgemeinde verdiene mehr Anerkennung. Die Bücherei, die Computer- sowie die Englischkurse würden fortbestehen, kündigte sie an, ihre Arbeit ende an dieser Stelle.
HarzKurier: 29. Juni 2012 |
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