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Der Prager Marionettencircus bietet eine lustige Show
Alles hängt nur am seidenen Faden


Auf der Bühne ist Alfredo Traber ganz in seinem Element und bietet eine begeisternde Show. Foto: Christian Dolle
Von Christian Dolle
BAD SACHSA. Ein Hochseilartist, ein springender Esel, boxende Affen und ein singender Vogelstrauß – sie alle und viele handgearbeitete Puppen mehr brachte der Prager Marionettencircus mit nach Bad Sachsa. Doch so schön das Programm des Teams um Alfredo Traber in die Welt der Fantasie entführt, die Realität sieht für die Schausteller anders aus.

Am Freitagnachmittag sollte es im Zelt auf dem Bad Sachsaer Schützenplatz die erste Vorstellung des Wochenendes geben. Wegen zu weniger Besucher musste die dann jedoch kurzfristig abgesagt werden. „Das ist der dritte Platz in Folge, wo wir Aufführungen absagen müssen“, sagt Alfredo Traber. Marionettentheater habe es heute schwer, weiß er, doch dies ist seine Existenz und irgendwie auch sein Lebenstraum.
Eigentlich ist Alfredo Traber Hochseilartist und Spross der bereits vor 500 Jahren existierenden Artistenfamilie, der in einer Urkunde aus dem Jahr 1512 vom Landgrafen des Elsass das Auftreten und Umherziehen im Land genehmigt wurde. „In meiner Familie wurde schon immer mit Marionetten gespielt, so wurde das Winterhalbjahr überbrückt“, erzählt Alfredo Traber. Hochseilartistik sei schließlich nur im Sommer möglich.
Seine größte Zeit haben er und seine Frau Alena Schubertova damals in der DDR erlebt. Zwar habe das Ministerium für Kultur ihn damals streng kontrolliert, künstlerisch konnte er jedoch viele Erfolge verbuchen und mit seinen Shows viele Menschen glücklich machen. „Die Zuschauer wurden hinterher befragt, ob ihnen die Show gefallen hatte, und nur dann gab es für uns die Chance, auch im Ausland aufzutreten.“
Bis zum Mauerfall waren er und sein Team in aller Welt unterwegs, seitdem läuft es nicht mehr so gut. Vor allem im Osten Deutschlands seien über Jahre viele schlechte Zirkusse und Puppenspieler unterwegs gewesen, die den Ruf dieser Tradition schädigen, beklagen Alfredo Traber und Alena Schubertova. Inzwischen sehe es finanziell bei ihnen so schlecht aus, dass sie auf die Vorstellung am Samstag angewiesen seien, um überhaupt das Benzin zahlen zu können, mit dem sie aus Bad Sachsa wieder wegkommen.
„Ich sehe es aber als meine Pflicht an, dass die Zuschauer bei mir zufrieden rausgehen – das ist meine Künstlerehre“, sagt Alfredo Traber. Und so ist dann während der Vorstellung am Samstagnachmittag nichts mehr von der bedrückenden Situation der Schausteller zu spüren. Stattdessen versprühen sie und ihre liebevoll gearbeiteten Figuren Unterhaltung und gute Laune in dem kleinen Zirkuszelt, bringen die Kinder zum Lachen und die Erwachsenen zum Staunen. Jede Nummer hat ihren eigenen Charme, alles ist bis ins Detail ausgefeilt, mit altbackenem Puppenspiel mancher Laienbühne hat die Show nichts zu tun. Alfredo Traber, Angelika Schubert und Andreas Maartz sind als Spieler teils hinter der Bühne, teils davor immer zu sehen, trotzdem werden ihre Figuren lebendig und ziehen ihr Publikum in ihren Bann. Der kleine Piccolini verschenkt Luftballons an seine Angebetete im Publikum, Clown Banane präsentiert ein Ferkel als wildes Raubtier und ein grünes Skelett lässt beim Tanzen die Knochen klappern. Langweilig wird es so jedenfalls nicht, und auch wenn die Zuschauer nicht so zahlreich sind wie von Alfredo Traber erhofft, verlassen sie das Zelt am Ende zumindest alle mit einem Lächeln.
„Man muss ein bisschen verrückt sein, um sowas zu machen“, sagt der Künstler hinterher. Er hängt an jeder einzelnen Puppe, besitzt nach mehr als 60 Jahren noch viel mehr als er in der Show je zeigen könnte. Die meisten davon sind selbst hergestellt, was pro Puppe etwa drei Monate dauert, doch auch einige Raritäten hat Alfredo Traber in seinem Besitz. „Ich habe eine, die von alleine mechanisch am Reck turnt. Die war in Las Vegas und es hat zehn Jahre gedauert bis ich sie dann doch erstanden habe“, erzählt er und gibt zu, dass er vielleicht auch in gewisser Weise fanatisch sei.
Jetzt hofft er jedenfalls, dass die Bad Sachsaer weitererzählen, dass es ihnen gefallen hat und dass so noch einige mehr in die nächste Show kommen. Mundpropaganda sei für ihn lebenswichtig, denn große Werbung könne er sich nicht leisten. In Hattorf, der nächsten Station des Prager Marionettencircus, dürfe er nicht einmal die Plakate aufhängen und sei somit auf diejenigen Zuschauer angewiesen, die die Kunst des Marionettenspiels noch zu schätzen wissen.

HarzKurier: 03. Juli 2012
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kati aus Bad Sachsa schrieb:
03.07.2012, 10:02
einfach nur toll
wir waren am samstag zu gast im marionettenzirkus,ich war auch wirklich sehr überrascht und positiv erstaunt,was diese "puppen" alles so drauf haben ;) mein sohn (4) sagte auf dem heimweg;"mama ich hab hier schmerzen!".er hielt sich den bauch....wenn ein kind vor lachen schon schmerzen hat,dann hut ab! wir werden den marionettenzirkus auf jeden fall nochmal besuchen,wenn er in der nähe ist!
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