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Grundschulen haben besondere Angebote für begabte Schüler
Forschergeist der Kinder befriedigen


Als Flugzeugbauer haben sich diese Gittelder Grundschüler bei einem Workshop mit Lehrer Andreas Fraatz versucht. Zuvor hatten sie sich intensiv mit Flugzeugtechnik und den physikalischen Hintergrund beschäftigt. Foto: Bordfeld
Von Martin Baumgartner
GITTELDE. Wenn den Lehrern Schüler mit besonderer Auffassungsgabe, herausragenden Leistungen oder gesteigertem Interesse an bestimmten Sachgebieten auffallen, können diese Kinder an besonderen Workshops teilnehmen und individuell gefördert.

Seit fünf Jahren beteiligt sich die Gittelder Grundschule inzwischen an dem Kooperationsprojekt mit den Grundschulen Lasfelde, am Röddenberg, Eisdorf und Bad Grund sowie dem Osteroder Gymnasium zur Förderung von begabten Kindern. Auch der Lasfelder Kindergarten nimmt daran teil. Kooperationspartner der Schulen sind auch die Kreismusikschule, einige Sportvereine, das Höhlen-Erlebniszentrum in Bad Grund und die Technische Universität Clausthal.
„Wir beobachten, welche Kinder besondere Begabungen und besondere Interessen haben“, sagt Lehrer Andreas Fraatz, der an der Gittelder Schule Beauftragter für die Begabtenförderung ist. „Es geht um Neigungen, nicht um Leistung“, ergänzt Schulleiterin Rotraut Dröge. Die Kinder sollen nicht auf Spitzennoten getrimmt werden, sondern Spaß an den Angeboten haben und ihre Interessen befriedigen können.
Das Angebot ist breitgefächert: Es gibt naturwissenschaftliche Kurse wie „Junge Biologen“ und „Junge Forscher“ in Lasfelde, „Experimente mit Strom“ in Eisdorf oder „Bauen und Technik“ in der Grundschule Röddenberg oder spezielle Mathekurse mit Knobelaufgaben in Bad Grund und Gittelde. An allen Schulen gibt es musische Extra-Angebote und in Gittelde, Lasfelde und der Röddenberg-Schule wird für die Grundschüler sogar Spanisch angeboten.
Bei einem Technik-Workshop an der Gittelder Schule haben sich die Kinder zusammen mit Andreas Fraatz intensiv mit der Fliegerei und mit Flugzeugen beschäftigt. „Wir sind der Frage nachgegangen, warum ein Flugzeug überhaupt fliegen kann“, berichtet Fraatz. „Wir haben am Computer verschiedene Flügelmodelle simuliert und untersucht, wie Auftrieb entsteht. Die Kinder konnten das selbst ausprobieren.“ Auch die Technik eines Flugzeugs haben die Schüler unter die Lupe genommen. Die Krönung war, dass die Mädchen und Jungen kleine Holzsegelflugzeug gebaut haben, die sie mit nach Hause nehmen konnten.
Mit dem Gymnasium als Partner, können die Grundschulen den Kindern auch Angebote machen, die die Kapazität einer Grundschule übersteigen, zum Beispiel Chemie-Experimente mit Bunsenbrenner: „Dafür haben wir gar nicht die Ausrüstung“, sagt Fraatz. Auch Englisch und Französisch hat das Gymnasium im Angebot. An diesen Kursen nehmen Schüler aus allen beteiligten Grundschulen teil, jede Schule kann zwei bis vier Plätze vergeben. Auch an den „Kinder-Uni“-Veranstaltungen in Clausthal und Göttingen haben in diesem Rahmen schon Grundschüler aus Osterode und der Samtgemeinde Bad Grund teilgenommen.
Doch wie wird festgestellt, ob ein Kind besonders begabt ist? „Wir achten im Unterricht darauf, wie die Schüler ihre Aufzeichnungen führen, wie sie argumentieren und Erklärungen finden, wie sie ein Thema recherchieren und Referate halten“, beschreibt es Rotraut Dröge. Die Begabung korreliere meist mit guten Zensuren in den entsprechenden Fächern. Wenn ein Kind auf diese positive Weise auffällt, fragen die Lehrer es, ob es Lust hat, an einem Workshop teilzunehmen. „Die Kinder sind oft sehr neugierig“, sagt sie.
Kinder, die durch eine besondere Begabung auffallen – Dröge betont, dass in dem Projekt ausdrücklich auf den Begriff „Hochbegabung“ verzichtet wurde, da diese nur sehr schwierig festzustellen sei – würden sich im Unterricht mitunter langweilen, weil sie sich unterfordert fühlen. Sie wollen im Stoff vorauseilen, es geht ihnen zu langsam. Oder ihre weitergehenden Interessen kommen im regulären Unterricht zu kurz. „Diese Kinder brauchen mehr Förderung“, sagt die Schulleiterin. „Wir bieten ihnen zum Beispiel Einzelstunden mit dem Stoff für höhere Jahrgänge.
Im Matheunterricht bilden die Leistungsstärkeren eine eigene Gruppe. Auch das Überspringen einer Klasse ist heute nicht mehr selten.“ Die Lehrer seien heute sogar dazu verpflichtet, Schüler für einen Wechsel in einen höheren Jahrgang vorzuschlagen, deren Noten besser als „gut“ sind.
Doch dieser Schritt will wohl überlegt sein und Dröge mahnt auch zur Vorsicht – insbesondere die Eltern, die ihr Kind auf diese Weise fördern wollen. Denn das Kind kann damit auch überfordert werden und mit dem Leistungsdruck nicht zurecht kommen. „Wir machen das nicht allein an den Zensuren fest, denn die sind subjektiv. Wir achten besonders darauf, wie selbstständig das Kind ist, ob es sozial gefestigt ist und ob es in der Lage ist, den Stoff aufzuholen“, erläutert sie. Schließlich wird das Kind auch aus seinem gewohnten sozialen Umfeld, aus seinem Klassenverband herausgerissen.
Für viele Eltern sei genau das der Grund, auf diesen Schritt zu verzichten. Dröge betont: „Das Kind hat es nicht leicht. Es muss stark sein.“ Sie habe auch schon einen Fall erlebt, wo ein Grundschüler aufs Gymnasium „gesprungen“ ist, dort aber nicht zurecht kam und wieder zurückgestuft werden musste. „Solche Fehleinschätzungen können passieren.“

HarzKurier: 12. Juli 2012
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