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Sozialpsychiatrischer Dienst des Kreises
Es ist die Flucht in eine andere Realität


Die Mitarbeiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes (von links) Siegbert Weber, Helga Heise, Dr. Annette Meyer, Carolin Filip und Wiebke Otte, vor einem Bild der Ausstellung. Foto: Pfeffer-Schleicher
Osterode (ff). Viele kurze Texte waren überall in den Räumen des Gesundheitsamtes angebracht: Gedanken, Empfindungen, Gedichte, aber auch Witze zum Thema der Veranstaltung. „Psychose ist für mich wie eine beschlagene Scheibe: Man erreicht sich gegenseitig nicht in der Wahrnehmung – weder akustisch noch optisch“, hatte beispielsweise der Angehörige eines Betroffenen sein Dilemma beschrieben.

„Die Psychose ist ein zutiefst menschliches Phänomen”, erläuterte Dr. Annette Meyer in ihrer Einleitung, „eine umfassende psychische und physische Krise, die jeden treffen kann.“ Die leitende Ärztin des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Landkreises konnte zahlreiche Interessierte zu dem Gesprächsabend begrüßen, der unter dem Titel „Psychose kreativ“ in eine Ausstellungseröffnung und eine Lesung eingebettet war.
Ob Depression, Manie, Schizophrenie oder Neurose, eine eindeutige Erklärung für die Ursachen einer Psychose gebe es nicht, führte Dr. Meyer aus. Klar sei nur, dass sie in Phasen von Umbrüchen, durch Stress oder erschütternde Lebenssituationen, die sensiblen Menschen als existentiell bedrohlich erscheinen, ausgelöst werden könne. Aus Selbstschutz resultiere die Flucht in eine andere Realität.
„Betroffene, aber auch deren Angehörige brauchen Verständnis und Unterstützung“, stellte die Ärztin fest. Als wirksame Methode habe sich die Trialog-Therapie erwiesen, bei der sich Betroffene, Angehörige und Therapeuten in sogenannten Psychose-Seminaren auf Augenhöhe begegnen, sich austauschen und gegenseitiges Verständnis aufbauen. Der Abend solle ein erster Schritt sein, um Hemmschwellen abzubauen und auch im Landkreis Osterode Interesse an der Einrichtung eines Psychose-Seminars mit regelmäßigen Treffen zu wecken, erklärte Dr. Meyer.
Auch der künstlerische Ausdruck durch Lyrik, Prosa oder Malerei ist laut der Ärztin für Menschen mit Psychoseerfahrungen hilfreich. Deshalb lasen die Sozialarbeiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes aus Texten zum Thema, führten im Anschluss durch die Ausstellung mit Bildern, die Betroffene gemalt hatten, und boten schließlich noch einmal die Gelegenheit zum Gespräch.
Bis zum 9. Dezember kann die Ausstellung im Gesundheitsamt in Osterode während der Öffnungszeiten besucht werden. Die Veranstaltung wird am Donnerstag, dem 10. Dezember, um 18 Uhr in Bad Sachsa im “Tannenhof” wiederholt.
Der Sozialpsychiatrische Dienst des Landkreises bietet Beratungen und Informationen bei psychischen Erkrankungen und bei anderen seelischen Krisen an.
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